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300 Tests täglich

Rhea Aull (l.), Sandra Besters (Zweite von links) und Maurice Michalik (Zweiter von rechts) bei der Arbeit (Foto: Kaltenschnee)

Rhea Aull macht ihre Arbeit Spaß. Sie hat Anfang April im Kreis-Anzeiger gelesen, dass das Rote Kreuz Mitarbeitende für die Antigen-Schnelltestzentren sucht. „Ich habe mich direkt beworben“, berichtet sie. Die 23-Jährige hat ihr Medienproduktion-Studium im vergangenen Jahr abgeschlossen. Die Folgen der Coronapandemie machen es ihr derzeit schwer, eine Arbeitsstelle zu finden. Da habe sie beschlossen, bei den Testungen mitzumachen. „Wissen Sie, wenn man nichts macht, ist das nichts“, sagt sie geradezu weise. Auch Maurice Michalik hat sich sofort beim Roten Kreuz für eine Mitarbeit in den Testzentren beworben, als er im Kreis-Anzeiger davon gelesen hat. Der 25-Jährige überbrückt so die Zeit bis zum 1. August. An diesem Tag tritt der studierte Betriebswirtschaftler seine erste Arbeitsstelle an.

„Als wir Anfang April hier im Testzentrum angefangen haben, hatten wir noch reichlich Zeit und Luft. Inzwischen ist das anders. Wir machen etwa 300 Tests am Tag“, erklärt Sandra Besters und Maurice Michalik ergänzt: „Ich habe vorher in Gedern im Antigen-Testzentrum gearbeitet. Da hatten wir etwa 180 Testungen täglich. Tendenz: steigend.“ Hinzu kommen - zumindest in Büdingen - jene Personen, die das Testzentrum ohne Terminreservierung aufsuchen. „Das sind zum Beispiel ältere Menschen, die keine E-Mail-Adresse haben, an die die Terminbestätigung geschickt werden kann. Wir weisen sie nicht ab, sondern registrieren sie hier. Sie müssen aber manchmal ein bisschen warten“, erläutert Sandra Besters. 

Interessant finden alle drei DRK-Mitarbeiter, dass auch Menschen ins Schnelltestzentrum kommen, die bereits die erste oder beide Teile der Coronaschutzimpfung erhalten haben. „Sie befürchten, dass sie trotz Impfung symptomlos positiv sein könnten. Diese Menschen schicken wir nicht fort“, bekräftigt Sandra Besters.

Seit der Eröffnung am 6. April habe es etwa 30 positive Ergebnisse gegeben. „Wir bekommen die Reaktionen der Menschen auf das Ergebnis normalerweise nicht mit, weil die Getesteten es per E-Mail erhalten“, sagt Sandra Besters. Doch bei zwei Getesteten, die im Zentrum auf das Ergebnis gewartet hätten, sei dieses positiv gewesen. „Eine der Personen war eine ältere Dame. Sie hat sehr gefasst reagiert und fragte uns, was sie als nächstes tun muss. Da konnten wir natürlich helfen.“ Der zweite, ein junger Mann, habe panisch auf das Ergebnis reagiert. „Wir konnten ihn aber beruhigen“, sagt Sandra Besters. Nicht nur in diesen beiden Fällen müssten die Mitarbeiter Einfühlungsvermögen haben. Manche Menschen sind angespannt vor dem Test - wegen des möglichen positiven Ergebnisses, aber auch weil sie einen Nasen- oder Rachenabstrich gemacht bekommen. „Das ist ja nicht angenehm“, befindet Rhea Aull. Trotzdem sei sehr selten jemand ungeduldig oder unfreundlich. Wenn doch, nehmen sich Sandra Besters, Rhea Aull und Maurice Michalik Zeit, um die Person zu beruhigen. Das klappe meistens auch gut. „Wir agieren im Team sehr flexibel, sehen, wenn einer von uns gerade etwas mehr Zeit für einen Abstrich braucht und handeln entsprechend. Außerdem macht keiner von uns nur Tests oder ist nur an der Anmeldung. Wir wechseln uns ab“, sagt Sandra Besters. Das Team sei gut eingespielt und arbeite Hand in Hand. 

Feingefühl sei besonders bei Kindern gefragt. „Manche kommen fröhlich herein, andere wirken unsicher und ängstlich. Ich bin auch Mutter und versuche, den Kindern zu erklären, was wir machen - und zwar genau so, wie ich es meinen erklären würde“, sagt Sandra Besters. „Wir binden sie ein und das gelingt so gut, dass sich bisher alle Kinder haben testen lassen“, ergänzt Rhea Aull. Vor ein paar Tagen habe eine Mutter mit ihrer etwa zehnjährigen Tochter sich auf das Coronavirus testen lassen wollen. „Die Mutter hat das Kind unter Druck gesetzt und die Kleine war verunsichert.“ Aber das Rote Kreuz sei klar positioniert: Kinder, die nicht getestet werden möchten, werden nicht getestet. „Ich habe die Mutter gebeten, nebenan zu warten, und allein mit dem Mädchen gesprochen. Dann ließ sie zu, dass ich den Abstrich mache. Viele Kinder sind im Übrigen froh, dass nur ein Rachenabstrich gemacht wird.“ 

Gerade kommt eine Frau mit ihrem Sohn und ihrer Tochter herein. Die drei sind nicht zum ersten Mal im Schnelltestzentrum. „Hier sind alle so freundlich“, schwärmt die Mutter. Es dauert wenige Minuten von der Anmeldung per QR-Code bis die drei das Zentrum getestet verlassen. „Wie war es?“ wollen wir wissen. „Es hat ein bisschen gebitzelt“, sagt der Junge. „Mir macht das nichts aus. Ich komme lieber hierher als in der Schule zu testen“, das Mädchen. „Wir haben zuhause geübt“, die Mutter und: „Mein Sohn testet sich in der Schule selbst. Aber es gibt nach wie vor Situationen, da ist ein Schnelltest, der ein negatives Ergebnis sozusagen offiziell bestätigt, besser als ein Selbsttest.“