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DRK Therapiehunde: Gelassen in allen Situationen

Der Labrador ist vorwitzig, der Mischling routiniert. Ein Mittelgroßer mit grauen, in alle Himmelsrichtungen abstehenden Strähnen und Bart beobachtet mit dem Blick eines Professors, was sich auf dem Gelände des DRK Kreisverbands Büdingen abspielt. Er ist einer unter acht, die die Ausbildung zum Therapiehund machen.

40 Übungseinheiten stehen den Aspiranten für die DRK Therapiehundeausbildung insgesamt bevor. Am vergangenen Wochenende wurde in Büdingen intensiv trainiert. Zum einen probte Ausbilderin Birgit Skjeldal mit den acht Hundeführern und ihren Vierbeinern das Begleiten einer Person, die im Rollstuhl sitzt beziehungsweise mit dem Rollator unterwegs ist. Am nächsten Tag sorgten 17 Kinder im Schulungsraum für eine außergewöhnliche Geräuschkulisse. Darüber hinaus stand ein Besuch in der Senioren- und Pflegeeinrichtung „Am Wilden Stein“ bevor. „Wir wollen allen, denen wir begegnen, ein Lächeln ins Gesicht zaubern“, lautet das Ziel der Ausbildung. Hunde sind dafür prädestiniert. Sie sind ohne Vorurteile und die Brückenbauer schlechthin.
Im Rollstuhl sitzend zeigte Birgit Skjeldal Schauspieltalent, tätschelte scheinbar unüberlegt den Fellnasen über den Kopf und verwickelte die Hundeführer in ein Gespräch über Pudding und Rheuma. Der Vierbeiner musste währenddessen geduldig zwischen dem Rollstuhl und Hundeführer laufen und trotz dieser Ablenkung gehorsam sein.
Ihre Sicherheit im Umgang mit Kindern stellten die Hunde beim Besuch einer Grundschulklasse aus Wenings unter Beweis. Im Schulungsraum zeigten sie Tricks, ließen sich knuddeln. Gleichzeitig wurde den Kindern das richtige Annähern an einen fremden Hund gelehrt. Niemals wegrennen, Arme unten lassen, die Hände geöffnet und auf den Popo des Hundes schauen. . . Birgit Skjeldal erklärt: „Wenn ich die Hände nach oben reiße, ist das für die Hunde eine Aufforderung hochzuspringen. Manche Hunde mögen es nicht, wenn man ihnen in die Augen schaut. Ein Wegrennen kann zum Mitrennen auffordern.“
Einmal im Monat sollen die Hunde später zum Beispiel in einen Kindergarten oder in einer Senioren- und Pflegeeinrichtung erscheinen.
Zwei Hundeführer gingen jeweils in den Wohnbereich der DRK-Einrichtung „Am Wilden Stein“, um dort den Kontakt mit den Senioren zu erleben. Sonntags standen vier Einheiten Theorie auf dem Plan. Neben verschiedenen veterinärmedizinischen Aspekten wurde die tiergestützte Pädagogik thematisiert. Da wurde analysiert, warum die Hunde am Vortag entsprechend reagiert hatten. Und es wurden verschiedene Fallbeispiele durchgenommen. Ein Beispiel: Wenn sich ein Kind mit einer spastischen Lähmung über den Besuch eines Hundes freut, kann es vorkommen, dass es vor Aufregung krampft. Das muss der Hundeführer wissen und entsprechend vorbereitet sein.
Birgit Skjeldal ist zufrieden. „Wir haben in diesem Lehrgang Teilnehmer mit ganz unterschiedlichem Hintergrund und Vorwissen“, erzählt sie. Ein Labrador-Schäferhund-Mischling, der äußerlich einem Staffordshire Terrier ähnelt und deswegen mit Vorurteilen behaftet war, zeigte sich als Naturtalent. „Es gibt hier in der Gegend bestimmt noch viele tolle Hunde, die für diese Aufgabe geeignet wären“, ist sich die Trainerin sicher. Den Kursteilnehmern stehen unter anderem noch vier Hospitationen und eine schriftliche Klausur bevor. Ende Oktober folgt dann die Prüfung.