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Erste Hilfe: Zehn Minuten fürs Leben

Der Magistrat der Stadt Büdingen, das Deutsche Rote Kreuz und der Wetteraukreis hatten dies möglich gemacht und über die Ortsvorsteher eingeladen. Insbesondere Vereinsvertreter sind oft Veranstalter von Festen und Zusammenkünften. Wenn eine große Anzahl von Menschen zusammentrifft, ist es von großem Vorteil, wenn Ersthelfer in Notfällen eingreifen können. Aber auch jedes Familienmitglied oder jeder Arbeitskollege kann mit Notfallsituationen konfrontiert werden und sollte Hilfe leisten können.

Rund 50 Interessierte kamen in die Wolfgang-Konrad-Halle. In der Halle lagen rund 50 Puppen auf dem Boden ausgebreitet. Der DRK Kreisverband hatte die eigenen Phantome mit denen von benachbarten Kreisverbänden ergänzt, so dass jeder Teilnehmer ausreichend Möglichkeit erhielt, das Theoretische später zu üben.

„Selbst nach etlichen Schulungen bin ich immer wieder nervös, wenn ich zu einem Notfall komme“, berichtete Erste Stadträtin Henrike Strauch bei ihrer Begrüßung. Doch Ulrich Schäfer habe sie beruhigt. Denn alleine den Notruf abzugeben und den Standort zu sichern, seien wichtige Schritte. Jede Wiederholung der Ersten Hilfe trage zu einem Stück Sicherheit bei. Henrike Strauch bedankte sich nochmals beim Wetteraukreis und dem Deutschen Roten Kreuz für die Durchführung, die nicht selbstverständlich sei.

„Defibrillatoren sind top, aber sie sind nie da, wo der Notfall ist“, sagte Dr. Reinhold Merbs zur Einleitung und griff dabei eine Diskussion in der Büdinger Politik auf. Entscheidender sei, wenn ein Ersthelfer vor Ort die Situation einschätzen könne und handele. „In ein paar Minuten entscheidet sich für das Opfer alles.“ Die Chance für einen Patienten, einen Herz-Kreislauf-Stillstand zu überleben, liege in der Regel zwischen fünf und acht Prozent. Wird ein Ersthelfer aktiv, steigert sich die Überlebenswahrscheinlichkeit auf 30 bis 40 Prozent. Anhand eines anderen Beispiels verdeutlichte Merbs, wie wichtig es ist, noch mehr Ersthelfer auszubilden. Bei einem Notfall würde nur ein Drittel der dazukommenden Menschen helfen. Die Mehrheit stehe tatenlos daneben. Dramatisch für den Patienten: Nach drei bis fünf Minuten sterben die Hirnzellen ab, die sich nicht mehr regenerieren können. Merbs ermutigte die Zuhörer: „Sie können in einem Notfall nichts falsch machen – außer sie tun nichts.“

Die Anwesenden wollen helfen. Die Mitglieder des Büdinger Magistrats hatten vor einigen Wochen die Initiative ergriffen, einen Erste-Hilfe-Kurs belegt und waren mit gutem Beispiel vorangegangen.

Was ist bei einem Herzkreislaufstillstand zu tun? Ulrich Schäfer beschrieb das Vorgehen Schritt für Schritt. Erst einmal die Atmung überprüfen. Wenn die Atmung zu spüren oder an der Bauchdecke zu beobachten ist, ist der Patient bewusstlos. Das ist weitaus weniger gefährlich als ein Herz-Kreislauf-Stillstand, trotzdem muss sofort gehandelt werden. Denn in diesem Zustand versagen die Schutzreflexe. Der Bewusstlose könnte ersticken. Um dies zu vermeiden, muss der Patient in die stabile Seitenlage gebracht werden. Zunächst gilt jedoch: Den Notruf „112“ absetzen.

An diesem Abend stand die Herz-Lungen-Wiederbelebung im Vordergrund. Ist keine Atmung festzustellen, sollte sofort der Notruf „112“ abgesetzt werden. Hier ist bestimmtes Handeln angesagt. Sind weitere Personen in der Nähe, sollte eine von ihnen ausgedeutet, mit Nachdruck angesprochen und beauftragt werden: „Rufe den Notruf 112 an!“

Damit eine Herz-Lungen-Wiederbelebung überhaupt effektiv ist, ist es sinnvoll, die Person auf die Erde zu legen, denn für die Druckimpulse ist Widerstand notwendig. Nachdem die Bekleidung entfernt ist, rückt man seitlich ganz nah an die Person heran und setzt mit seinen Händen in der Mitte des Brustkorbes an. Aber wo ist der richtige Punkt? Ziehen Sie eine Linie zwischen der Drosselgrube unter dem Kehlkopf bis zu dem unteren Ende des Brustbeins, dort wo die unteren Rippenbögen in der Körpermitte zusammenlaufen. In der unteren Hälfte dieser Linie werden die Hände übereinander aufgesetzt, erklärte Merbs. Dann wird gleichmäßig, zügig und senkrecht aus dem Rücken heraus gedrückt. Zirka 100 Mal pro Minute. Und das ist anstrengend, merkten die Teilnehmer bald. Ist eine zweite Person in der Nähe wird alle zwei Minuten abgewechselt.

Für die Beatmung wird der Kopf nach hinten überstreckt und die Person mit zwei Atemzügen beamtet. Dann geht es weiter mit der Herz-Lungen-Massage. 30 Mal drücken –zwei Atemzüge – 30 Mal drücken, das ist der Rhythmus. Bei Babys, was zum Glück sehr selten vorkommt, drückt man mit zwei Fingern den Brustkorb zirka zwei Zentimeter tief, bei einem Schulkind mit einer Hand zirka drei Zentimeter und bei einem Erwachsenen mit beiden Händen zirka vier bis fünf Zentimeter.

Die Teilnehmer übten und übten. Ihre Handgriffe können in einer Notsituation für ihr Umfeld lebensrettend sein. Der DRK Kreisverband Büdingen bedankt sich bei allen Mitmachenden.