Foto: pixabay.com

Wir wünschen ein richtig gutes Jahr

Luca Lucya, Marika Heusohn, Johannes Gerth und Anton Henes, v.l.  (Foto: Kaltenschnee)

Was tun nach dem Abi? Reisen? Studium? Ein Praktikum? Chillen? Oder nach all der Lernerei erst mal was Handfestes? Abgesehen davon, dass es für Schulabgänger*innen wegen der Corona-Pandemie schwierig bis unmöglich bleibt, die eine oder andere dieser Ideen umzusetzen, ist der Schritt in den neuen Lebensabschnitt nicht für jede vorgezeichnet. Da kann ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei der Entscheidungsfindung hilfreich sein. Deshalb wollen wir von jungen Menschen erzählen, die genau das im Rettungsdienst des Roten Kreuzes in Büdingen absolviert beziehungsweise gerade begonnen haben. Während Anton Henes und Leon Lucya am 31. Dezember ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) beim Rettungsdienst des Roten Kreuzes in Büdingen beendet haben, haben Marika Heusohn und Johannes Gerth das ihre am ersten Tag des neuen Jahres angetreten. Eine Staffelstab-Übergabe sozusagen.

Marika Heusohn hat im Frühjahr am Wolfgang-Ernst-Gymnasium ihr Abitur bestanden und bereits ein Praktikum beim Roten Kreuz in Büdingen absolviert. „Ich weiß schon länger, dass ich Notfallsanitäterin werden will“, sagt die 18-Jährige bestimmt und: „Ich möchte auf jeden Fall etwas Soziales machen.“ Ein Studium sei nicht ihr Ding. Das Freiwilligenjahr ermögliche ihr, in den Rettungsdienst hinein zu schnuppern und zu sehen, ob ihr der Beruf einer Notfallsanitäterin mit all seinen Herausforderungen liege. Johannes Gerth wiederum hat es seinem Kumpel Marc Sessel zu verdanken, dass er auf die Idee kam, ein FSJ im Rettungsdienst zu machen. „Für Medizin habe ich mich ehrlich gesagt bisher nicht interessiert, Biologie in der Oberstufe sogar abgewählt“, schildert er. „Nach dem Abi wusste ich nicht recht, was ich machen soll. Wusste nur, dass ich auf keinen Fall in einem Getränkemarkt an der Kasse stehen will.“ Marc Sessel, der beim DRK Kreisverband Büdingen eine Ausbildung zum Notfallsanitäter absolviert, habe in dieser Situation gesagt: „Warum kommst du nicht zu uns?“ Also bewarb sich Johannes Gerth um das Bildungsjahr - und wurde genommen.

Ihren beiden Vorgängern Anton Henes und Leon Lucya hat das Jahr beim Roten Kreuz geholfen, sich über ihren zukünftigen beruflichen Weg klar zu werden. Anton Henes, der im vergangenen Jahr in Büdingen sein Abitur gemacht hat, wusste nach den Prüfungen nicht so recht, welche Richtung er nun einschlagen solle, ob er studieren wolle und falls ja, welchen Studiengang. Er fasste den Entschluss, eine dreijährige Ausbildung zum Notfallsanitäter zu absolvieren, konnte diesen jedoch nicht realisieren. Als das Rote Kreuz in Büdingen ihm anbot, stattdessen ein FSJ im Rettungsdienst zu machen, packte er die Gelegenheit beim Schopf. Mittlerweile ist er sicher, dass er Arzt werden will und wartet auf die Zulassung für sein Medizinstudium. Im Rückblick auf das zurückliegende Jahr sagt er: „Das FSJ hat mir viel gebracht. Ich würde es jederzeit wieder machen.“ Man übernehme relativ schnell Verantwortung und habe Erlebnisse, die einen prägten und als Mensch reifen ließen. Leon Lucya nickt zustimmend, bevor er berichtet: „Ich war in einer Tutorengruppe mit Anton. Wir haben uns völlig unabhängig voneinander für den gleichen Weg entschieden.“ Nach dem Abitur war Leon Lucya unsicher, ob er Chemie oder doch lieber Medizin studieren solle. Das FSJ im Rettungsdienst sollte ihm bei der Entscheidung helfen. Das hat es auch: Der 19-Jährige wird im kommenden Jahr in Freiburg ein Medizinstudium beginnen. Im Rettungsdienst des DRK gefällt es auch ihm gut, Er habe viel gelernt von seinen Kollegen und den Notärzten, bekräftigt er. Außerdem habe das Rote Kreuz die Kosten für die viermonatige Qualifikation zum Rettungssanitäter übernommen - und die Kosten für den LKW-Führerschein. Beides sei Voraussetzung für das FSJ im Rettungsdienst. „Mein Plan ist nun, beim Rettungsdienst in Freiburg einen Aushilfsvertrag als Rettungssanitäter abzuschließen. So kann ich mein Studium finanzieren“, sagt der 19-Jährige. Bei der Entscheidung für ein Medizinstudium hat den scheidenden FSJlern geholfen, mit den Notärzten zu sprechen, die am DRK Notarztstandort Büdingen Dienste übernehmen. „In Büdingen arbeiten Allgemeinmediziner, Anästhesisten, Chirurgen und andere Fachärzte. Die Gespräche mit ihnen haben mich inspiriert“, sagt Leon Lucya und Anton Henes ergänzt: „Ich weiß jetzt besser, was nach meinem Medizinstudium auf mich zukommt und wie der Alltag von Medizinern in verschiedenen Bereichen aussieht.“

Ob Anton Henes und Leon Lucya wohl Tipps und Ratschläge für ihre Nachfolger haben? „Man kann noch so schlau sein und das beste Abi haben, das reicht im Rettungsdienst nicht. Hier musst du teamfähig sein“, sagt Anton Henes und: „Man ist viel mit Menschen zusammen, mit Kollegen und Patienten. Da muss man Empathie und eine soziale Einstellung mitbringen.“ Als Mitarbeiter des Rettungsdienstes erhalte man Einblicke, die einen das Leben wertschätzen ließen, weil man erkenne, wie gut es einem gehe, fügt er an. „Man muss offen sein und neugierig. Von den älteren Kollegen kann man viel lernen. Man kann wirklich einiges mitnehmen, wenn man offen ist“, sagt Leon Lucya. Für beide war es eine Bereicherung, nach Schule und Abitur etwas sinnvolles Praktisches zu tun, morgens nie zu wissen, welche Einsätze der Arbeitstag bringt. Ihren Nachfolgern raten sie, Initiative zu ergreifen und Herausforderungen anzunehmen. Und weil die FSJler im Rettungsdienst auch mit schwierigen, aufwühlenden Situationen konfrontiert werden, sagt Leon Lucya: „Passt vor allem am Anfang auf, dass ihr nicht alle Erlebnisse mit nach Hause nehmt. Sprecht lieber auf der Arbeit mit einem Kollegen oder einer Kollegin darüber.“ Man darf das, was man erlebt, nicht zu nah an sich heranlassen, rät auch Anton Henes.

Die beiden FSJ-Neulinge hören interessiert zu, auch wenn ihnen der Rettungsdienst in Büdingen nach Praktikum und abgeschlossener Qualifikation zum Rettungssanitäter alles andere als fremd ist. Marika Heusohn hat während ihres Rettungswachenpraktikums sogar schon bei der Reanimation eines Patienten unterstützen dürfen. Genau wie Johannes Gerth freut sie sich auf das Jahr bei den Lebensrettern des Roten Kreuzes.

Hintergrund

Bei Interesse an einem Freiwilligen Sozialen Jahr im Rettungsdienst des DRK Kreisverbandes Büdingen sollten Bewerber mit einer Vorlaufzeit von etwa 10-12 Monaten rechnen und entsprechend planen. Vor Beginn des Bildungsjahrs absolvieren die Freiwilligen die Ausbildung und Qualifikation zum Rettungssanitäter. Sie erwerben die Fahrerlaubnis C1 für LKW bis 7,5 Tonnen. Die Bewerber sollten Fahrpraxis mit dem Auto und außerdem Spaß am Autofahren haben. Wegen dieser Voraussetzungen und der Schichtzeiten scheiden Bewerber unter 18 Jahren für den Freiwilligendienst im Rettungsdienst aus. Trägerin des FSJ bei den Lebensrettern ist Volunta, eine Tochterfirma des Roten Kreuzes in Hessen. Das FSJ bietet die Option, nach dem Freiwilligendienst in die Notfallsanitäter-Ausbildung zu wechseln.

Weitere Informationen unter www.drk-buedingen.de und www.volunta.de