Foto: pixabay.com

Die Zinkbadewanne muss draußen bleiben

Heike Kaiser mit ihrem Einsatzwagen (Foto: Elke Kaltenschnee)

„Wissen Sie, einen Bürojob kann ich mir nicht vorstellen. Es ist nicht mein Ding, Papierstapel abzuarbeiten. Ich bin mehr die Macherin und möchte mit den Händen arbeiten“, sagt sie. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Anpacken, mit Menschen zusammenkommen, das geht schließlich auch als Verkäufer, Gärtnerin oder Kassierer. Heike Kaiser hat Freude daran, Menschen etwas Gutes zu tun, sie zu verwöhnen: „ Pflege beinhaltet Intimes. Duschen, Baden, Eincremen. Das setzt Vertrauen und gegenseitigen Respekt voraus.“ Die Menschen, die die Pflegehelferin zuhause aufsucht, vertrauen ihr, fühlen sich in ihrer Gegenwart wohl. Vielleicht auch, weil Heike Kaiser ihnen mit Verständnis und Achtung, Fingerspitzengefühl und Empathie begegnet. „Ich kann mich in meine Kunden hineinfühlen, mich auf die ganz unterschiedlichen Charaktere einstellen.“ Sie betreue beispielsweise eine ältere Dame, die habe die Devise ausgegeben, es werde vor 8 Uhr morgens nicht gelacht. Das respektiert Heike Kaiser und scherzt dann eben mit dem nächsten Kunden.
Ihre Tätigkeit beschreibt Heike Kaiser als sehr vielfältig: Nicht nur das bereits erwähnte Duschen, Baden oder Eincremen gehört dazu, sondern auch die Gabe von Medikamenten, Frühstück zuzubereiten oder die Mobilisierung ihrer Kunden. „Es ist wichtig, auch Menschen, die sich nur noch eingeschränkt bewegen können, etwas selbst machen zu lassen, sie zu moderater Bewegung anzuregen, ihnen den Teil der Verantwortung über das eigene Leben zu ermöglichen, den sie noch selbst tragen können.“
Heike Kaiser kennt ihre Kunden gut, schließlich sieht sie diese regelmäßig. Sie erkennt, wenn sich Veränderungen abzeichnen, möglicherweise ein Arzt zu Rate gezogen werden sollte. Dann hält sie Rücksprache mit der Leiterin des ambulanten Pflegedienstes des DRK Monika Savioli, deren Stellvertreterin Birgit Hanusch oder einer Pflegefachkraft. So ist sichergestellt, dass die Betreuten jederzeit genau die Hilfe und medizinische Versorgung erhalten, die sie brauchen.
Heike Kaiser hat Zutritt zu den intimsten Lebensbereichen ihrer Kunden. „Bei manchen ist es pikobello und piekfein, bei anderen herrscht mehr als Unordnung. Ich muss mich in jeder Situation anpassen, auf die Launen meiner Kunden, deren Tagesform Rücksicht nehmen. Man muss sich einlassen. Auch das gefällt mir“, bekräftigt sie. Es gebe freilich auch den einen oder anderen Wermutstropfen. „Leider kommen wir erst dann zu den Menschen, wenn sie nicht mehr dazu in der Lage sind, bestimmte Dinge selbst zu machen. Das ist ein bisschen schade. Viele von ihnen hatten ein sehr aktives Leben. Aber es bereichert mich, meinen Kunden zuzuhören, wenn sie von früher erzählen. Viele von ihnen gehören ja zu der Generation, die im Krieg geboren wurden und die das Land wieder aufgebaut haben. Sie berichten viel Interessantes, zum Beispiel, wie früher die Zinkbadewanne samstags ins Haus geholt wurde, damit die ganze Familie baden konnte.“ Das sei für junge Menschen heutzutage unvorstellbar.

Ihr selbst mache der Schichtdienst nichts aus, aber er sei nichts für jeden oder jede. „Der Frühdienst geht von etwa sechs Uhr morgens bis etwa mittags. Hier ist der Pflegeaufwand größer, deshalb betreue ich etwa 16 bis 18 Personen im Frühdienst. Im Spätdienst, der von etwa 15.30 Uhr bis 20.30 Uhr dauert, müssen den Kunden zum Beispiel die Kompressionsstrümpfe ausgezogen werden. Das können viele nicht mehr. Abends betreue ich etwa 25 Personen“, erklärt Heike Kaiser.
Für Menschen, die gerne in die Arbeit hineinschnuppern möchten, vielleicht nicht recht wissen, ob eine Tätigkeit in der Pflege etwas für sie ist, hat Heike Kaiser einen Rat: „Einfach mal eine Tour mitfahren. Am besten abends, weil nicht jeder Patient sich wohlfühlt, wenn eine fremde Person bei der Körperpflege dabei ist. Bevor ich mein Berufspraktikum gemacht habe, hätte ich auch nie gedacht, dass mir Pflege so viel Spaß machen würde.“