Im Porträt: Stefanie Sy

 

Stefanie Sy mit ihrem neuen Arbeitsplatz im Hintergrund (Foto: Kaltenschnee)

Aufgewachsen ist Stefanie Sy in Demmin in der Nähe von Rostock. Bereits mit 16 Jahren absolvierte sie eine Ausbildung zur Altenpflegerin. „Das ist sehr früh“, sagt die 33-Jährige. „Heutzutage sind die Auszubildenden in der Regel 2 Jahre älter, also 18 Jahre alt.“ Ein fast schon spirituelles Schlüsselerlebnis in der neunten Klasse führte dazu, dass für sie kein anderer Beruf in Frage kam. Sie habe - wie alle Neuntklässer - damals ein Berufspraktikum machen müssen. Die Schwester einer Klassenkameradin sei als Altenpflegerin tätig gewesen. Deshalb habe Stefanie Sy eher zufällig ihr Praktikum in der Pflegeeinrichtung gemacht, in der diese beschäftigt war. Einmal habe Stefanie Sy einer bettlägerigen alten Dame Essen angereicht, während im Hintergrund sanfte Panflötenmusik lief. Ihr Großvater sei einige Zeit zuvor verstorben und sie habe in diesem intensiven und emotionalen Moment an ihn denken müssen. „Da war mir klar, dass ich Altenpflegerin werden will.“ Nach ihrer Ausbildung arbeitete Stefanie Sy anderthalb Jahre als Pflegekraft in der Nähe von Lübeck und wurde - obwohl erst 19 Jahre alt - stellvertretende Wohnbereichsleitung. In dieser Funktion war sie unter anderem für die Dienstplanung, sowie für die Vertretung der Wohnbereichsleitung zuständig. 2008 lernte sie ihren jetzigen Ehemann kennen und zog im Jahr darauf nach Frankfurt am Main. „Der Liebe wegen“, wie sie sagt. Dort arbeitete Stefanie Sy für einen ambulanten Pflegedienst und übernahm bereits anderthalb Jahre später dessen Leitung. Berufsbegleitend absolvierte sie die Ausbildung zur Pflegedienstleitung. Als sie im Jahr 2019 ihre Tochter zur Welt brachte, kam die erste Unterbrechung einer bis dahin ebenso gradlinigen wie steilen Karriere in der Pflege. Stefanie Sy nahm ein Jahr Elternzeit - und stellte sich die Frage, wie es danach weitegehen solle. „Eigentlich wollte ich in den ambulanten Pflegedienst zurück. Aber wir wohnen in Nidderau. Eine Stunde Fahrtzeit nach Frankfurt: Das war mir mit Baby einfach zu lang.“ Wie also Kind, Familie und Beruf unter einen Hut bringen? Die junge Frau entschloss sich, in die stationäre Pflege zurückzukehren. „Diese Arbeit war mein Traum. Dahin wollte ich zurück.“  

Im ambulanten Dienst sei sie Alleinkämpferin gewesen, für alles verantwortlich, auch wenn es einen Geschäftsführer gegeben habe. Sie sei Tag und Nacht erreichbar gewesen, ihr Diensthandy permanent eingeschaltet und jederzeit auf E-Mail-Empfang. „Hin und wieder wäre ich gern in dem Bewusstsein nach Hause gegangen, dass die Verantwortung auf mehreren Schultern verteilt ist.“ Sie habe damals schlecht abschalten können, obwohl ihr die Arbeit viel Freude machte. Als ihre Tochter auf der Welt war, hätten sich ihre Prioritäten verschoben, sie habe festgestellt: „Diese Belastung will ich nicht mehr“ und: „Ich brauche größere Planbarkeit in meinem Berufsleben.“ 

Außerdem erschien es ihr nach zehn Jahren sinnvoll, etwas Neues zu beginnen. „Das Jahr in Elternzeit hat mir ermöglicht, zu erkennen, wo ich hinmöchte, und mich neu zu orientieren.“ Also habe sie sich in der Büdinger Senioreneinrichtung beworben. Das neue, moderne Haus habe sie ebenso angesprochen, wie eine Formulierung in der Stellenanzeige. Neue Ideen seien sehr willkommen, habe dort sinngemäß gestanden. „Sie müssen wissen, ich bin jemand, der kreativ ist und sich gern kreativ einbringt.“

Stefanie Sy gefällt, dass in der Senioreneinrichtung des Roten Kreuzes die Verantwortung auf vielen Schultern verteilt ist: Wohnbereichsleitung, Einrichtungsleitung, Pflegeleitung, Verwaltung. Sie ist kein Einzelkämpfer mehr. Dabei ist ihr Bereich wahrlich kein kleiner: Als Pflegedienstleitung ist sie für etwa 50 bis 60 Mitarbeiterinnen verantwortlich. Sie erstellt Dienst- und Urlaubspläne. Sie kümmert sich in Absprache mit der Einrichtungsleitung um die Suche und Einstellung neuer Mitarbeiter, ist als Ansprechpartnerin für die Belange der Mitarbeiter, der Bewohner und deren Angehörigen zuständig. Als Fachaufsicht stellt sie die Pflege sicher, kümmert sich um die Gestaltung der Abläufe in der Pflege und die Fortbildungsplanung. Hinzu kommt die Überwachung von Dokumentation, Standards, Prophylaxe. Selbst die Pflege erfordert mittlerweile einen hohen Verwaltungsaufwand. Bei Fortbildungen werden zwar oftmals externe Schulungskräfte ins Haus geholt, aber Stefanie Sy übernimmt einige der Fortbildungen für die Pflegekräfte im Haus selbst. „Wir machen zum Beispiel Schulungen zu Hygiene oder Lagerungstechniken.“ Hier werde nicht unbedingt immer neues Wissen vermittelt, sondern das vorhandene vertieft und aufgefrischt. Auch wenn die neue Pflegedienstleitung einen Großteil ihrer Arbeitszeit mit administrativen Aufgaben in ihrem Büro verbringt, ist sie viel treppauf, treppab in den beiden Gebäudeflügeln unterwegs: „Mein Arbeitsplatz ist das ganze Haus“, sagt sie denn auch. Die Corona-Pandemie und die aus ihre resultierenden Hygiene- und Abstandsregelungen haben freilich dazu geführt, dass Fortbildungen und Schulungen in den Hintergrund gerückt sind. „Im Moment bleibt auch keine Zeit, Abläufe zu optimieren. Die Angehörigen haben viele Fragen, die beantwortet werden wollen. Auch die Koordination der Besuchstermine nimmt viel Zeit in Anspruch.“

Von den Bewohnern des Hauses wurde Stefanie Sy im Übrigen freundlich, warm und offen angenommen. „Sie freuen sich schon, wenn sie mich sehen“, sagt die 33-Jährige und freut sich mindesten genauso. Von der Arbeitsatmosphäre im Haus ist die neue Pflegedienstleitung angetan; von ihren neuen Kolleginnen fühlte sie sich gleich akzeptiert. Ihr gefällt das moderne und großzügig angelegte Haus mit dem schönen Garten und nicht zuletzt die Familienfreundlichkeit ihres neuen Arbeitgebers. „Das gibt mir als junger Mutter ein gutes Gefühl“, schwärmt sie. Sogar im Bewerbungsgespräch im Februar hat sie ihre mittlerweile 16 Monate alte Tochter mitbringen dürfen. 

Hintergrundinformationen zur DRK Senioreneinrichtung, Ansprechpartner und deren Telefonnummern gibt es hier.