Zum Hauptinhalt springen

Herzlich willkommen!

Azubis Rettungsdienst 102026

Für sechs junge Menschen hat im Oktober die Ausbildung zum Notfallsanitäter oder zur Notfallsanitäterin begonnen. Wir heißen sie herzlich willkommen und wünschen eine interesante und lehrreiche Zeit. 

Ein Déjà-vu im Hof des Büdinger Roten Kreuzes: Groß, jung, Soll. Stand der nicht schon vor einem Jahr hier? Fast. Im vergangenen Oktober hat Noah Soll seine Ausbildung zum Notfallsanitäter beim DRK-Kreisverband Büdingen begonnen. Jetzt steht sein Bruder Johannes bei den Neuen.

„Unsere ganze Familie ist im Rettungsdienst“, erzählt der 20-Jährige aus Glauberg. Auch Johannes Soll kommt nicht als völliger Neuling zum Roten Kreuz. Er engagiert sich seit Langem im DRK-Ortsverein Ortenberg und war erst kürzlich beim Kalten Markt im Sanitätsdienst. Offenbar hat der große Bruder von seiner Ausbildung außerdem genug Gutes nach Hause getragen, um Johannes in seiner Entscheidung zu bestärken.

Er ist einer von sechs jungen Menschen, die jetzt ihre dreijährige Ausbildung zum Notfallsanitäter oder zur Notfallsanitäterin beim DRK-Kreisverband Büdingen beginnen. Mehr als 100 Bewerbungen aus ganz Deutschland sind für die Ausbildungsplätze eingegangen. Rettungsdienstleiter Jens Grusdt schätzt, dass auf jeden freien Platz etwa 15 Bewerberinnen und Bewerber kamen.

Einen Ausbildungsplatz bekommen hat der 19-jährige Hanni B., der seinen vollen Namen nicht in der Zeitung sehen möchte. Hanni ist mit sechs oder sieben Jahren mit seiner Mutter aus Eritrea über Italien nach Deutschland gekommen. Er lebte in Flüchtlingsunterkünften in Frankfurt, Gießen und schließlich Gedern. Seit 13 Jahren ist sein Aufenthaltsstatus ungeklärt. Eigentlich wollte er Polizist oder Soldat bei der Bundeswehr werden.

Hanni hat Rassismus und Mobbing erlebt, berichtet er. Trotzdem sagt er: „So schlecht es einem auch gerade gehen mag, ein Blick in die Kriegsgebiete zeigt mir, was wirklich wichtig ist.“ Im Rettungsdienst hat er etwas gefunden, das ihm entspricht. „Ich möchte etwas machen, von dem ich selbst etwas habe, und einen Beitrag für die Gesellschaft leisten.“ Im Sommer hat er drei Tage Praktikum beim Roten Kreuz gemacht: „Das waren die großartigsten Arbeitstage, die ich je hatte.“ Danach wollte er sofort anfangen. Notfalls auch unbezahlt.

Linus Würfl freut sich ebenfalls auf seine Ausbildung zum Notfallsanitäter. Auch wenn er im Familienunternehmen, einem landwirtschaftlichen Erzeuger in Lieblos, bereits mitgearbeitet hat, sieht der 18-Jährige seine Zukunft dort nicht. Linus Würfl engagierte sich lange in der Jugendfeuerwehr, interessiert sich für den Gesundheitsbereich und möchte Menschen helfen. Besonders gespannt ist er auf die unterschiedlichen Stationen der Ausbildung. „Die Ausbildung zum Notfallsanitäter ist sehr vielfältig. Ich freue mich schon auf die Praktika in der Klinik“, sagt er. Wie wichtig der Rettungsdienst ist, wurde ihm vor Kurzem auf drastische Weise vor Augen geführt. Linus Würfl betreibt nebenbei ein Gewerbe als Veranstaltungstechniker. Nach einem Bühnenaufbau in Frankfurt fand er seinen Kunden tot auf. Er rief noch den Rettungsdienst, doch der Mann konnte nicht mehr gerettet werden. Das Erlebnis bestärkte ihn in seiner Berufswahl.

Zur neuen Ausbildungsgruppe gehören außerdem Hannah Luisa Banasch aus Gelnhausen, Alessia Musial aus Nidda und Mojtaba Nabizadeh aus Niddatal. Hannah Banasch hat im vergangenen Jahr die Ausbildung zur Rettungssanitäterin absolviert. Sie schätzt die Teamarbeit und die Abwechslung des Berufs und möchte sich nun zur Notfallsanitäterin weiterqualifizieren. Mojtaba Nabizadeh wiederum interessiert sich schon lange für Medizin. 80 Prozent seiner Familienmitglieder hätten medizinische Berufe ergriffen, berichtete der 25-Jährige. Auch er entschied sich nach einem Praktikum beim DRK für die Ausbildung. Alessia Musial engagiert sich seit ihrer Kindheit in der Jugendfeuerwehr in Ober-Lais und mittlerweile in der Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr in Fauerbach. Fünf Praktika hat sie absolviert, um herauszufinden, welcher Beruf zu ihr passt. Nach einem Bewerbungspraktikum auf den Rettungswachen in Büdingen und Gedern stand ihre Entscheidung fest. In ihrer Berufswahl bestätigt hat die 19-Jährige vor allem ihre ehrenamtliche Arbeit bei der Freiwilligen Feuerwehr. Eine Rolle spielte auch der schwere Verkehrsunfall bei Ober-Lais im August, bei dem zwei Jugendliche starben und sechs weitere schwer verletzt wurden.

Foto: Mojtaba Nabizadeh, Hanni B., Johannes Soll, Linus Würfl, Hannah Luisa Banasch und Alessia Musial (von links, stehend) haben ihre Ausbildung zum Notfallsanitäter beziehungsweise zur Notfallsanitäterin beim Roten Kreuz in Büdingen begonnen.  (Foto: Elke Kaltenschnee)